Geologie

Gesteinsklassifikation

Magmatite

Beispiel: Granit


Klassifikation:
Granite befinden sich ihrem Chemismus nach im Feld 3 des Q-A-P-F-Diagramms ("Streckeisen-Diagramm") für Plutonite.

Mineralbestand:
Quarz (20 - 60 % des Gesteins); Alkalifeldspat (Orthoklas, Mikroklin, Natrium-reicher Albit; 35 - 90 % aller Feldspäte); Biotit; ferner können auftreten: Muskovit, Hornblende, selten Augit, auch Granat, Andalusit, Sillimanit, Cordierit. Muskovit ist ein Maß für den Aluminium-Reichtum des Gesteins. Dieses Element ist sonst hauptsächlich im Feldspat gebunden. Ähnliches gilt für die Aluminium-reichen Minerale Granat, Cordierit, Andalusit und Sillimanit, welche mehrere Volumenprozent erreichen können. Cordierit ist selten frisch, sondern meist in ein feinkörniges, grünliches Schichtsilikat-Aggregat namens Pinit umgewandelt. Akzessorien: Zirkon, Apatit, Titanit, Monazit, Xenotim, Topas, Turmalin, Pyrit, Orthit, Magnetit, Ilmenit. Treten Alkaliamphibole und Alkalipyroxene auf, ist das Gestein als Alkaligranit zu bezeichnen. Ist der Mafit-Gehalt unter 5 % spricht man von Leukogranit, übersteigt er 20 % wird die Bezeichnung Melagranit benutzt.

Merkmale:
Granite sind klein- bis überwiegend mittel- und großkörnige, massige Gesteine. Sie sind makroskopisch weiß, hellgrau, rosa, gelblich und zuweilen grünlich. Das verbreiteste Gefüge ist die hypidiomorph-körnige Struktur, d.h. daß die Struktur durch die mehr oder weniger idiomorphe Form der Feldspatkristalle geprägt ist. Die meist weißen Oligoklase und die häufig gefärbten Kalifeldspäte Orthoklas und Mikroklin bilden oft dicktafelige Kristalle, die auch makroskopisch erkennbar sind. Albit und Quarz füllen die Zwickel zwischen diesen. Viele Kalifeldspäte zeigen eine sogenannte Entmischung, d.h. daß beim Abkühlen des Gesteins Albit-Komponente im festen Kalifeldspat nicht mehr löslich ist und als lamellen-, spindel- oder aderförmige Einlagerung im Kristall ausgeschieden wird. Diese sogenannte perthitische Entmischung ist z.T. sogar makroskopisch erkennbar.
Das Gefüge kann sowohl gleichkörnig als auch ungleichkörnig sein. Bei den Plagioklas-reichen Graniten, die zu Granodiorit (Feld 4 im QAPF-Diagramm) übergehen, fallen oft einzelne Kalifeldspat-Kristalle auf, die meist nach dem Karlsbader-Gesetz verzwillingt sind. Sie erreichen Größen von 1 - 15 cm in einer höchstens mittel bis großkörnigen Matrix. Eine besonders eindrucksvolle Variante der Ungleichkörnigkeit ist der sogenannte Rapakivi-Granit. Hier werden große, ovoidale, rosa Kalifeldspatkristalle von schmalen grauen Säumen aus Oligoklas umgeben. Sehr ähnlich sind die sogenannten Kugelgranite (die in ihrer Zusammensetzung allerdings eher zu den Granodioriten bis Dioriten zählen). Solche Gefüge werden auch Orbikulartextur genannt. Sie entstehen durch konzentrische Kristallisation mit wechselnder Mineralzusammensetzung oder Korngröße um einen Fremdeinschluß oder anderen Keim in der Schmelze.
Gelegentlich weisen Granite eine Gefügeregelung auf, die als eine Folge von Fließbewegungen des zähen "Breis" aus vielen Kristallen und Schmelze kurz vor dem kompletten Erstarren des Gesteins anzusehen ist. Tafelige Feldspatkristalle und schlierige Inhomogenitäten sind dann oft eingeregelt und deuten die Fließrichtung des Kristallbreis an.

Entstehung:
Da die granitischen Gesteine zu den verbreitetsten plutonischen Gesteinen der oberen Erdkruste zählen, sind sie von großer Bedeutung. Granite im engeren Sinne (Feld 3 des QAPF-Diagramm) bilden einen Volumenanteil von etwa 44 % aller plutonischen Gesteine der Kontinente. Die Herkunft und Entstehung granitischer Magmen war bis vor wenigen Jahrzenten ein heiß umstrittenes Thema. Viele Detailfragen und Lokalvorkommen sind immer noch nicht restlos geklärt. Dennoch scheint heute Übereinkunft darüber zu bestehen, daß im allgemeinen granitische Magmen durch teilweise Aufschmelzung von wasserreichen Krustengesteinen bei der hochgradigen Regionlametamorphose entstehen. Dieser Prozeß wird als Anatexis bezeichnet und kann bei den Migmatiten verfolgt werden. Die moderne Geochemie erlaubt sogar, aus den wiedererstarrten granitischen Gesteinen die Art des an- bzw. aufgeschmolzenen Gesteins herauszulesen. Man unterscheidet u.a.. I-Typ und S-Typ Granite, die aus magmatischem (I = igneous) bzw. sedimentärem (S = sedimentary) Ausgangsgestein aufgeschmolzen wurden. Generell sind S-Typ Granite eher Muskovit-reich, oft mit Cordierit, I-Typ Granite eher Hornblende-führend. Das Vorhandensein von Hellglimmer kann auch als Indiz für die Kristallisationstiefe eines Granits gewertet werden. Granitschmelzen und der Hellglimmer Muskovit sind nur bei Tiefen von über 12 km miteinander stabil. Ein Muskovit-führender Granit kann also nur in mindestens dieser Tiefe erstarrt sein.
Die Platznahme der Granite erfolgt auf recht unterschiedliche Art und Weise. Besonders beeindruckend sind die Bentholithe, riesige Intrusionen mit steilen seitlichen Begrenzungen und meist nicht aufgeschlossener Wurzel. Die größten Beispiele mit bis zu 100.000 km2 großer Aufschlußfläche, findet man entlang der Pazifikküste Nord- und Südamerikas. In Mitteleuropa erreichen die Granit-Batholithe der böhmischen Masse ca. 3.000 km2. Kleinere Stöcke werden als Plutone oder auch Stöcke bezeichnet, wenn sich die Ausdehnung im Bereich von Zehnern von Kilometern bzw. im Kilometerbereich bewegen.


http://www.geologieinfo.de/
Online seit: 06/2001
[Impressum - Haftungsausschluß - Disclaimer]

[
Browser-Info]
© 2001 - 2012 by M.W.
Kontakt: Webmaster
Linktipps: hoefo
Valid HTML 4.01! Valid CSS! Geosciences-Forum: Forum rund um die Geowissenschaften (Geographie, Geologie, Geophysik, Meteorologie, Mineralogie, Paläontologie...) Get Firefox! Get Thunderbird! No Flash! No Plugins! Hand-Coded