GeologieGesteinsklassifikationMagmatiteKlassifikation nach dem MineralbestandEine umfassende Einteilung (Klassifikation, Systematik) der magmatischen Gesteine (Magmatite) kann nur nach mineralogischen Prinzipien, d.h. nach dem jeweiligen Mineralbestand, oder nach ihrem Chemismus oder nach beiden Kriterien vorgenommen werden. Wegen der Bedeutung der Feldspäte basiert jede mineralogische Systematik wesentlich auf der Art und Menge des Feldspats. Dabei ergibt sich als Regel: Je größer der prozentuale Anteil von SiO2 in einem magmatischen Gestein ist, um so größer ist der Anteil an Alkalifeldspat und um so größer der Albit-Gehalt im Plagioklas, dafür um so kleiner der Anteil an dunklen Gemengteilen. Eine IUGS (International union of geological science) subcommission on the systematics of igneous rocks hat sich für eine mineralogische Klassifikation der magmatischen Gesteine (igneous rocks) entschieden. Vulkanite und Plutonite werden hiernach unter Verwendung eines QAPF-Doppeldreiecks ("Streckeisen-Diagramm") nach ihrem modalen Mineralbestand eingeteilt (klassifiziert). Der modale Mineralbestand nach Vol.% wird mit einer Hilfsapparatur (Punktzählverfahren) unter dem Mikroskop gemessen oder wenigstens abgeschätzt. Bei Vulkaniten ist das nicht immer möglich wegen einer mikro- bis kryptokristallinen oder glasigen Grundmasse. Das gilt auch für die vulkanischen Gläser selbst. In diesen Fällen muß die chemische Zusammensetzung mit herangezogen werden und aus ihr ein künstlicher sogenannter normativer Mineralbestand errechnet werden. Er muß für die Eintragung bei den betreffenden Vulkaniten in das QAPF-Diagramm mit der mineralogischen Klassifikation in Einklang gebracht werden, was allerdings nicht immer gelingt. Der Klassifikation bzw. dem mineralogischen System der magmatischen Gesteine werden (an dieser Stelle vereinfacht) die folgenden gesteinsbildenden Minerale oder Mineralgruppen als Gemengteile zugrundegelegt: Felsische (helle) Minerale: Q - Quarz A - Alkalifeldspat (Sanidin, Orthoklas, Mikroklin, Perthite, Anorthoklas, Albit00-05) P - Plagioklas (Anorthit05-100) F - Foide (Feldspatoide, Feldspatvertreter) (Leucit, Nephelin, Sodalith, Nosean, Hauyn u.a.) Mafische (dunkle) Minerale (Mafite): M - Glimmer, Amphibole, Pyroxene, Olivin Opake Minerale und Akzessorien: Magnetit, Ilmenit, Zirkon, Apatit etc.
Magmatische Gesteine mit M < 90 Vol.% - und das ist der weitaus überwiegende Teil - werden im QAPF-Diagramm nach den im Gestein anwesenden hellen (felsischen) Gemengteilen klassifiziert. Dies geschieht für Vulkanite und Plutonite nach dem gleichen Prinzip in gesonderten Dreiecken (siehe Abb. 1 + 2). Ultramafische (im wesentlichen nur aus dunklen Gemengteilen bestehende) Magmatite werden nach den dunklen Gemengteilen, den Mafiten, gegliedert. Für diese ultramafischen Plutonite mit M = 90 - 100 wird das Dreieck Ol-Opx-Cpx (siehe Abb. 3) vom IUGS vorgeschlagen. Die magmatischen Gesteine mit M < 90 Vol.% werden nach ihrer Lage im QAPF-Doppeldreieck eingeteilt und benannt. Im oberen Dreieck sind die Quarz-führenden Magmatite, im unteren Dreieck die Foid-führenden Magmatite angeordnet. Diese Anordnung ist möglich, weil Quarz und Foide im Gleichgewicht nicht nebeneinander in einem Gestein auftreten können. Denn Quarz bildet sich nur bei einem SiO2-Überschuß und Foide nur bei einem SiO2-Mangel. Die Magmatite des mittleren Gürtels führen als helle Gemengteile im wesentlichen nur Feldspäte. Chemisch ausgedrückt befinden sich im oberen Dreieck mit freiem Quarz Gesteine mit SiO2-Übersättigung, im mittleren Streifen im Hinblick auf SiO2 gesättigte und im unteren Dreieck mit Foiden an SiO2 untersättigte Gesteine angeordnet. Für die Eintragung des darstellenden Punkts eines bestimmten magmatischen Gesteins wird der Volumenanteil der hellen Gemengteile auf die Summe 100 umgerechnet (Q + A + P = 100 bzw. A + P + F = 100). Die dunklen Gemengteile finden also keine Berücksichtigung. Die in die Doppeldreiecke eingebrachten Gesteinsnamen sind teilweise Sammelnamen für eine größere Gesteinsgruppe. Für einzelne spezielle Gesteine und Gesteinsnamen sind teilweise Hilfsdiagramme notwendig, so wie das bei den Gruppen der ultramafischen Magmatite und Gabbros der Fall ist. Die dunklen Gemengteile können nur für eine orientierende Zuordnung der magmatischen Gesteine herangezogen werden. Sie wird in folgenden Grenzen vorgenommen: Magmatite mit 0 - 35 % Mafite werden als leukokrat, Magmatite mit 35 - 65 % Mafite werden als mesotyp, Magmatite mit 65 - 90 % Mafite werden als melanokrat und Magmatite mit 90 - 100 % Mafite werden als ultramafisch bezeichnet. ![]() Abb. 3 A - Spezielle Klassifikation und Nomenklatur der ultramafischen Plutonite (Peridotit- und Pyroxenit-Gruppe). Ol - Olivin, Opx - Orthopyroxen, Cpx - Klinopyroxen B - Spezielle Klassifikation und Nomenklatur der mafischen Plutonite (Gabbro-Gruppe). Pl - Plagioklas, Px - Pyroxen, Ol - Olivin Von den Vulkaniten und Plutoniten unterscheiden sich die magmatischen Ganggesteine. Sie besitzen eigene Mineralzusammensetzungen und unterschiedlichen Chemismus. Mitunter haben sie auch eigene charakteristische Gefüge. Man unterscheidet leukokrate (helle) und mesotype bis melanokrate Ganggesteine. Die mesotypen bis melanokraten Ganggesteine werden als Lampophyre bezeichnet. Gewisse Überschneidungen im Mineralbestand der Lampophyre sind fast typisch. In den stark melanokraten Varianten der Lampophyre kommt häufig auch Olivin hinzu, fast stets sekundär in Serpentin umgewandelt. | |||||||||||||||||||
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