Diese Mineralgruppe, in der drei Minerale mit völlig verschiedenen Eigenschaften, aber exakt gleicher chemischer Zusammensetzung zusammengefaßt
werden, ist für
metamorphe Gesteine von besonderer
Wichtigkeit. Die Bildungsbereiche dieser drei Polymorphe sind gut bekannt. Jedem dieser Glieder kommt ein bestimmtes Druck-Temperatur-Gebiet zu. Diese
sogenannten Stabilitätsfelder sind in der Abb. 1 dargestellt. Die drei Alumosilikate sind also sowohl Geothermometer als auch -barometer, und grob
vereinfacht gilt: Andalusit ist eine Niederdruckphase, Disthen tritt in Hochdruckgesteinen auf, während Sillimanit bei hohen Temperaturen stabil ist.
Besonders aussagekräftig ist der Fall, in dem zwei dieser Alumosilikate zusammen im gleichen Gestein vorkommen. Man befindet sich dann im Druck-Temperatur-Diagramm
genau auf oder sehr nah bei der Grenzkurve zwischen den Stabilitätsgebieten der beiden Minerale. Kommen gar alle drei Phasen nebeneinander vor, wurde
das Gestein in der Nähe des Kreuzungspunktes (Tripelpunkt) bei ca. 3,8 kbar und 500 °C gebildet. In der Regel tritt aber nur jeweils ein Alumosilikat
im Gestein auf.
Abb. 1
Das System der Al
2SiO
5-Polymorphen Andalusit, Disthen und Sillimanit (nach H
OLDAWAY,
1971) mit Angabe der Dichten